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Schlacht von Manzikert - Sieg der Seldschuken über Byzanz

Zeitpunkt:
1071
Typ: Politik und Staatswesen (PS)
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Der Beginn der Herrschaft der Seldschuken ist mit der halblegendären Figur des Seldschuk verbunden, vermutlich der Anführer des türkischen Verbandes der Oghusen, der zum Islam übergetreten war. Die Seldschuken konnten ihre Herrschaft in Westasien ausdehnen und stellten im 11. Jahrhundert eine Bedrohung für das byzantinische Reich dar. Nach Einfällen in Armenien (1048), das erst 1045 dem byzantinischen Herrschaftsbereich einverleibt wurde, und ab 1057 in Kleinasien kam es unter Alp Arslan (1063-1072) zu einer folgenschweren Auseinandersetzung zwischen den Seldschuken und Byzanz.

Der Kaiser von Byzanz, Romanos IV. Diogenes (1068-1071), konnte in den Jahren 1068 und 1069 zwei Schlachten gegen die Seldschuken für sich entscheiden. Nach weiteren Plünderungen durch türkische Verbände im byzantinischen Herrschaftsgebiet plante er schließlich einen großen Feldzug gegen die Invasoren. Mit einem Heer, in dem auch Normannen, Franken, Armenier, Petschenegen und Uzen vertreten waren, zog der Kaiser Richtung Osten und traf nördlich des Van-Sees (in der heutigen Osttürkei) bei Mantzikert (Malazgirt/Malazgerd) auf die Seldschuken. Dort versuchte er im August 1071 eine Entscheidung zu erzwingen, doch wurde er trotz seines zahlenmäßig überlegenen Heers vernichtend geschlagen. Romanos IV. Diogenes geriet in Gefangenschaft, konnte aber mit dem Seldschuken-Sultan Alp Arslan Vereinbarungen treffen: Er erhielt seine Freiheit, musste sich jedoch zu Lösegeldzahlungen für seine Person verpflichten sowie zu jährlichen Tributen, Auslieferung der türkischen Gefangenen und zur Stellung von Hilfstruppen.

Als in Byzanz der Ausgang der Schlacht bekannt wurde, vermochte es die Gegenpartei des Kaisers an die Macht zu gelangen – Michael VII. wurde zum Kaiser ausgerufen. Ein Bürgerkrieg brach aus, bis schließlich der abgesetzte Kaiser Romanos IV. Diogenes seinen Thronanspruch aufgab. Obwohl man ihm die Sicherheit seiner Person garantiert hatte, wurde er auf dem Weg nach Byzanz geblendet (= Ausbrennen der Augen); Romanos IV. Diogenes starb im Jahr 1072.

Der seldschukische Sultan hatte Romanos IV. Diogenes beim Versuch unterstützt, die Herrschaft in Byzanz wiederzuerlangen und erkannte nun den Vertrag nicht mehr an, den er mit „Byzanz“ geschlossen hatte. – Erst jetzt entfaltete die Niederlage der Byzantiner in der Schlacht von Mantzikert ihre nachhaltige Wirkung.

Es folgten weitere Einfälle der Seldschuken in das byzantinische Herrschaftsgebiet, die zu Gebietsgewinn und Ausbau der Macht der Seldschuken in Anatolien führten. Seldschuken bzw. Türkmenen breiteten ihre Siedlungsgebiete kurz darauf bis Ikonion (Konya) aus. Noch während der Herrschaft des Sultans Malikschah (1072-1092), der die Nachfolge von Alp Arslan angetreten war und eine erfolgreiche Eroberungspolitik betrieben hatte, begann das Seldschukenreich allerdings in einzelne Herrschaftsgebiete zu zerfallen.

In Kleinasien bildete sich zwischen 1077 und 1243 die Herrschaft der Rûm-Seldschuken aus (Rûm = Rom, das byzantinische wird auch als ost-römisches Reich bezeichnet). Die Rûm-Seldschuken konnten zunächst ihren Herrschaftsbereich im Westen bis Nikaia (İznik) ausdehnen und den Byzantinern weitere Niederlagen zu fügen (1176 bei Myriokephalon). In dieser Zeit entstanden bedeutende Bauten wie der Moschee-Hospitalbau in Divriği mit seinen prunkvollen Portalen (errichtet ca. 1228; im Jahr 1985 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt). 82divrigicami_s_300

 

 

 

 

 

 


Moschee-Hospitalbau in Divriği   Bildherkunft

Letztlich konnten aber die Rûm-Seldschuken dem Ansturm der Mongolen (1243) nicht Stand halten; ihr Herrschaftsbereich zerfiel in einzelne Emirate.

(BG)

Franz Georg Maier, Byzanz, Fischer Weltgeschichte, Band 13, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt 1973, S. 245ff.

Georg Ostrogorsky, Byzantinische Geschichte: 324-1453, Verlag C.H. Beck, München 1963, S. 290ff.

Karl Ploetz, Auszug aus der Geschichte, A.G. Ploetz-Verlag, Würzburg 1960 (26. Aufl.) S. 685f.

P. M. Strässle, s.v. Mantzikert, Schlacht v., in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 6, München – Zürich 1993, Sp. 208f.

E. A. Zachariadou, s.v. Selğuqen (Seldschuken), in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München 1995, Sp. 1730-1732.

http://whc.unesco.org/en/list/358



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Die Schlacht von Manzikert
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