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Errichtung der "Via Claudia Augusta"

Zeitpunkt:
46
Typ: Wissenschaft und Technik (WT)
Euro Wert: 3,90

Ins Jahr 46 n. Chr. werden die Hölzer vom Prügelweg im Lermooser Moor (Bezirk Reutte) datiert. Sie gehören zur Via Claudia Augusta, einer Straße, die in Oberitalien beginnt und durch das heutige Tirol (über den Reschen- und Fernpass) Richtung Donau führt.

Zwei Meilensteine aus Rabland bei Meran (Museum in Bozen) und Cesiomaggiore (Villa Centenere bei Feltre, westlich von Belluno) geben konkret Auskunft über den Bau der Straße.

Kaiser Claudius lässt die Via Claudia Augusta vom Fluss Po bzw. von Altinum bis zur Donau bauen; nach ihm ist die Straße benannt. Die Angabe seiner Ämter auf den beiden Steinen ermöglicht eine präzise Datierung ihrer Aufstellung in die Jahre 46 bzw. 47 n. Chr. Weiters enthalten die Inschriften die Information, dass bereits Claudius’ Vater die Straße im Zuge des Alpenfeldzugs bahnen ließ.

Auf dem Stein aus Rabland ist zudem noch die Längenangabe der von Claudius erbauten Straße erhalten: CCCL milia passuum: 350 Meilen (milia passuum = 1000 Doppelschritte; = 1481 m), das sind umgerechnet ca. 318 km.

Die Via Claudia Augusta ist Teil eines verzweigten Verkehrsnetzes und zählt zu den viae publicae ("öffentlichen Straßen"). Der Bau einer via publica erfolgt auf italischem Boden durch Magistrate, wird durch öffentliche Gelder finanziert, verläuft auf öffentlichem Grund und außerhalb von Siedlungen und ist für den öffentlichen Verkehr vorgesehen.


Aufgrund ihres unterschiedlichen Rechtsstatus gelten für die öffentlichen Straßen in den Provinzen andere Regelungen als für solche auf italischem Boden. Als oberster Straßenbauer wird in den Provinzen meist der Name des Kaisers am Beginn der Inschriften auf Meilensteinen genannt, so auch auf den beiden, die Claudius als Erbauer der Via Claudia Augusta bezeugen. In diesem Zusammenhang muss allerdings auch eine besondere Funktion von Meilensteinen beachtet werden. Denn ab der Kaiserzeit dienen diese oft nicht nur als Distanzanzeiger, sondern auch als Propagandamittel der Kaiser.

Römische Straßen werden für den öffentlichen Reiseverkehr, als Postwege und für wirtschaftliche Zwecke genutzt. Für militärische Unternehmungen sind sie besonders wichtig, da sie ein schnelles Verschieben von Truppeneinheiten ermöglichen. Einblicke in das römische Straßennetz gibt die sogenannte Tabula Peutingeriana, eine kartenähnliche Darstellung (mittelalterliche Kopie, 11./12. Jahrhundert, heute in Wien, Nationalbibliothek), auf der neben Straßen u. a. Siedlungen und Kastelle eingezeichnet sind.

(BG)

Ulrich Fellmeth, s.v. Tabula Peutingeriana, in: Der Neue Pauly 11, Stuttgart – Weimar 2001, Sp. 1197f.

Johannes Pöll, Der Verlauf der Via Claudia Augusta zwischen Biberwier und Lermoos/Bez. Reutte. Untersuchungen am Lermooser Prügelweg und dem Geleisestraßenrest von Biberwier, unpubl. Diplomarbeit, Innsbruck 1994.

Michael Rathmann, s.v. Meilensteine, in: Der Neue Pauly 7, Stuttgart – Weimar 1999, Sp. 1156-1158.
Michael Rathmann, s.v. Via Claudia Augusta, in: Der Neue Pauly 12/2, Stuttgart – Weimar 2002, Sp. 161.
Michael Rathmann, s.v. Viae publicae, in: Der Neue Pauly 12/2, Stuttgart – Weimar 2002, Sp. 164-171.

Elisabeth Walde (Hg.), Via Claudia Augusta. Neue Forschungen, Hörtenbergdruck Telfs 1998.


Abkürzungsverzeichnis


Ausschnitt Tabula Peutingeriana
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Ich meine, dass man Provinzbewohner keineswegs von der Mitgliedschaft im Senat ausschliessen soll, vorausgesetzt, dass sie das Ansehen des Senats mehren. (Kaiser Claudius)

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