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Noricum und Rätien werden unter Tiberius römische Provinzen

Zeitpunkt:
30er
Typ: Politik und Staatswesen (PS)
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15 v. Chr. erobern die Römer unter Führung von Drusus und dem späteren Kaiser Tiberius im Zuge des Alpenfeldzugs das ganze Gebiet des heutigen Tirol.

Im Jahr zuvor waren Germanen in Gallien eingefallen und hatten den dort stationierten Römern eine Niederlage beschert. Daraufhin erfolgte die Verlegung von Legionen an den Rhein und aus strategischen Gründen drängte sich auch die Besetzung der Alpengebiete auf, die eine kürzere Verbindung zwischen Italien und der neuen militärischen „Basis“ ermöglichte. Für das Jahr 16 v. Chr. sind zudem auch Einfälle der Bewohner des Alpenraums in die Poebene überliefert, die den Römern einen willkommenen Anlass geboten haben sollen, dieses Gebiet zu erobern. Es scheint, dass sich das Regnum Noricum („Königreich“ Noricum, heutiges Kärnten und Osttirol) freiwillig den Römern unterwarf, nachdem es das hospitium publicum (eine Art „Freundschaftsvertrag“) mit Rom gebrochen hatte.

Das strategische Vorgehen der Römer sieht eine gleichzeitige Eroberung des zentralen Alpenraums auf verschiedenen Routen vor. Allerdings lassen die antiken Quellen keine genaue Rekonstruktion des Feldzugs zu.

6_Tiberius_Capri_Louvre_Ma1248__Custom_.jpg Tiberius Statue im Louvre Bild-copyright

Das neu eroberte Land untersteht zunächst direkt dem Kaiser. Erst nachdem das Vorhaben einer dauerhaften Eroberung Germaniens im Jahre 16 n. Chr. unter Kaiser Tiberius endgültig aufgegeben wird und der Abzug der Legionen aus dem Lager Augsburg-Oberhausen erfolgt, kann eine zivile Verwaltung der neu eroberten Gebiete einsetzen. Wann genau die vorerst militärisch verwalteten Gebiete formal als Provinzen eingerichtet werden, ist in der Forschung allerdings umstritten. Neben vier Inschriften, die Personen und Verwaltungseinheiten nennen, gibt der Geschichtsschreiber Velleius Paterculus entscheidende Hinweise auf die Provinzwerdung Rätiens, Norciums und Pannoniens, die wohl nach 17 n. Chr. anzusetzen ist und jedenfalls noch in die Regierungszeit des Kaisers Tiberius (14-37 n. Chr.) fällt.

(BG)

Peter W. Haider, Von der Antike ins frühe Mittelalter, in: Josef Fontana – Peter W. Haider – Walter Leitner – Georg Mühlberger – Rudolf Palme – Othmar Parteli – Josef Riedmann (Hg.), Geschichte des Landes Tirol, Band 1, Von den Anfängen bis 1490, Verlagsanstalt Athesia, Bozen, – Tyrolia-Verlag Innsbruck – Wien 1985, 127-223, insbes. 138-147.

Irmtraut Heitmeier, Das Inntal. Siedlungs- und Raumentwicklung eines Alpentales im Schnittpunkt der politischen Interessen von der römischen Okkupation bis in die Zeit Karls des Großen, Wagner Verlag, Innsbruck 2005.

Robert Rollinger, Raetiam autem et Vindelicos ac Noricos Pannoniamque et Scordiscos novas imperio nostro subiunxit provincas. Oder: Wann wurde Raetien (einschließlich Noricums und Pannoniens) als römische Provinz eingerichtet? Eine Studie zu Vell. 2,38f (mit einigen einleitenden Bemerkungen zur ‘provinzialrömischen Geschichte’ im wissenschaftlichen Oeuvre Franz Hampls, in: Peter W. Haider – Robert Rollinger (Hg.),

Althistorische Studien im Spannungsfeld zwischen Universal- und Wissenschaftsgeschichte. Festschrift für Franz Hampl zum 90. Geburtstag am 8. Dezember 2000, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, 267-315.



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Tiberius
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Du sollst meine Schafe scheren, nicht kahlrasieren! (Tiberius zum Präfekt von Ägypten wegen zu hoher Steuerablieferung)
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