vorheriger Meilenstein | nächster Meilenstein

Konstantinopel wird neue Hauptstadt des Römischen Reiches

Zeitpunkt:
330
Typ: Politik und Staatswesen (PS)
Euro Wert: 17.229,96

Bereits in der Zeit der Tetrarchie – begründet durch Diokletian (285-305) – hatte der römische Osten an Bedeutung gewonnen, nachdem die Herrschaft unter zwei Augusti (Kaisern) und zwei Caesares aufgeteilt worden war und Rom nicht mehr das Zentrum des Reichs bildete. Als Konstantin 306 von einem Teil des Heers zum Augustus ausgerufen wurde, seine Rivalen besiegen konnte und die Alleinherrschaft (mit seinen Söhnen) im Jahr 324 n. Chr. antrat, wählte er Byzantion als neue Hauptstadt des Imperium Romanum.

Byzantion (Konstantinopel, Byzanz, İstanbul) liegt an einer strategisch günstigen geographischen Stelle. Der Ort ist von drei Seiten nur vom Wasser her erreichbar; im Norden begrenzt die Stadt das Goldene Horn, im Osten der Bosporos und im Süden der Hellespont. Somit war die Stadt nur vom Westen her über Land erreichbar bzw. angreifbar. Die Lage der Stadt bot auch wirtschaftliche Vorteile, denn von hier aus konnte der Seeweg und somit der Handel zwischen dem Schwarzen Meer und dem Marmarameer kontrolliert werden. Konstantin soll bereits nach dem Sieg über Licinius im Jahr 324 die Neugründung Byzantions beschlossen und den Ort in Konstantinopolis („Stadt des Konstantin“) umbenennen haben lassen.

Im Jahr 330 wird Konstantinopel als neue Hauptstadt des Imperium Romanum eingeweiht.
Als „Nea Roma“ („Neues Rom“) löste sie Rom als Residenzstadt des Kaisers und Hauptstadt des Reichs bis zur Teilung in Ost- und West-Rom im Jahr 395 endgültig ab.

Die Stadt wurde von Konstantin und seinen Nachfolgern ausgebaut, mit den entsprechenden Einrichtungen und Bauten ausgestattet. Bestehende Bauwerke wurden renoviert oder erweitert (wie das Hippodrom) und Denkmäler aus verschiedenen Teilen des Reiches – auch in der Zeit nach Konstantins Herrschaft – hierher geschafft. Bekannt sind beispielsweise die Schlangensäule aus Delphi oder der ägyptische Obelisk aus Karnak.

32schlangensulehippodrom_kl_custom_350

Der Hippodrom war auf drei Seiten von Sitzreihen für die Zuschauer flankiert, die Kaiserloge befand sich auf der Seite - im Vordergrund die Schlangensäule. Bildcopyright


Zu kulturell bedeutenden Bauwerken, die in der Folgezeit entstanden, zählen christliche Bauten wie die Sergios- und Bakchos-Kirche oder die Hagia Sophia, aber auch profane Bauwerke wie der Kaiserpalast.

32hagiasophia_top_custom_350

Die Hagia Sophia Bildcopyright

Eine gute Infrastruktur der Stadt bezeugen z.B. heute noch erhaltene Teile des Aquädukts, der unter Kaiser Valens (364-378) errichtet wurde, und Zisternen, die für die Wasserversorgung unerlässlich waren.


Wichtig für die Verteidigung war gegen Westen hin die sogenannte Landmauer; gegen einen Angriff vom Meer sollte die Stadt durch die Errichtung einer weiteren Mauer, der sogenannten Seemauer, geschützt werden.

32mauer_01_kl_300


Einer Eroberung konnte die Stadt durch diese Maßnahmen lange Zeit entgehen; im Jahr 1204 fiel sie aber den Rittern des vierten Kreuzzugs zum Opfer und wurde geplündert.

Konstantinopel war über 1000 Jahre lang Hauptstadt des Römischen Reichs bzw. dann des Oströmischen/Byzantinischen Reichs. Nachdem die Stadt im Jahr 1453 von den Osmanen eingenommen werden konnte, sollte sie nur ihre „Herren“ wechseln; bereits der Eroberer der Stadt Sultan Mehmed II. wählte Konstantinopel als Hauptstadt des Osmanenreichs und gab die alten Residenzen (Bursa und Edirne) auf.

(BG)

Iris von Bredow, s.v. Konstantinopolis I. Lage. II. Topographie, in: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart – Weimar 1999, Sp. 712-716.

Georgios Makris, s.v. Konstantinopolis III. Geschichte, in: Der Neue Pauly, Bd. 6, Stuttgart – Weimar 1999, Sp. 716-718.

Jochen Martin, Spätantike und Völkerwanderung, Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 4, R. Oldenbourg Verlag, München 2001 (4. Aufl.) S. 1-9.

M. Restle, s.v. Konstantinopel/Istanbul, in: Lexikon des Mittelalters, München – Zürich 1991, Sp. 1387-1392.

Abkürzungsverzeichnis


Konstantinopel
Copyrightvermerk
Google-Earth-Link

Download Google Earth

Weiterführende Links:
Steinpate:
DAKA