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Konzil von Nicäa

Zeitpunkt:
325
Typ: Religion und Glaube (RG)
Euro Wert: 14.862,71

Konzilien (concilium lat. „Zusammenkunft“, „Versammlung“) oder Synoden (synodos, griech. „Zusammenkunft“, „Vereinigung“) sind Versammlungen von Geistlichen der Christenheit, vor allem von Bischöfen, und dienen der Beratung von Angelegenheiten, die über das Interesse einzelner Gemeinden hinausgehen.

Es werden Fragen der Lehre geklärt, Probleme des Glaubens erörtert und über die Organisation des Kultes und der Kirche beraten. Konzilien sollen außerdem Schismen (griech. schisma „Spalt“, „Trennung“, „Uneinigkeit“) vorbeugen.

Wenn keine Einigung bei unterschiedlichen Vorstellungen erzielt werden kann, muss sich die Minderheit der Meinung der Mehrheit anschließen; anderenfalls droht ihr Verbannung oder Verfolgung.

Die ersten Konzilien/Synoden sind für die Zeit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts in Kleinasien bezeugt. Von besonderer Bedeutung sind die Reichssynoden, die vom Kaiser einberufen werden. Aber nicht alle vom Kaiser einberufenen Synoden sind als ökumenische Synoden anerkannt, wie z.B. das Konzil von Arles 314 n. Chr., das sich dem Donatistenstreit widmet (quid est imperatori cum ecclesia? – „Was hat der Kaiser mit der Kirche zu tun?“).

Zunächst wird nur das Konzil von Nicäa mit dem Beiwort „ökumenisch“ versehen; erst durch die Interpretation der dort festgelegten Glaubensformel durch die Monophysiten werden weitere ökumenische Synoden einberufen.

Die Ostkirche zählt sieben ökumenische Synoden, die katholische Kirche dreizehn zusätzliche, die später vom Papst einberufen wurden. Die ersten sieben Synoden fanden 325 n. Chr. in Nicäa, 381 in Konstantinopel, 431 in Ephesos, 451 in Kalchedon, 553 und 680 in Konstantinopel und 787 in Nicäa statt.

 

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Konstantin I.         Bildcopyright

Im Jahr 325 lädt Kaiser Konstantin die Bischöfe zum Konzil nach Nicäa/Nikaia (heute Iznik, Türkei) ein. Grund für die Zusammenkunft, an der neben dem Kaiser selbst mehr als 250 Bischöfe – nur fünf davon aus dem Westen – teilnehmen, ist ein Streit um die Lehre des Arius.

Ab etwa 318 n. Chr. lehrt Arius – im Gegensatz zu Athanasius –, dass Christus und Gott nicht von gleicher Wesensart sind. Seiner Anschauung nach ist der Sohn Gottes „ein Geschöpf und ein Geschaffenes“ und nicht wesensgleich mit Gott selbst. Da Arius Anhänger für seine Vorstellungen findet und sich mehrere Synoden mit dem Thema auseinandersetzen ohne eine Lösung des Problems zu erzielen, wird das Konzil von Nicäa durch Konstantin einberufen, um eine Einigung zu erreichen. Im Rahmen dieses Konzils wird die Wesensart Christi „geregelt“. Mit Ausnahme von zwei Bischöfen und Arius unterschreiben alle – auch unter Drohungen – das neue Bekenntnis. Dieses besagt, dass Christus und Gott homoousios „wesenseins“ sind.

Zehn Jahre später wird Arius bei einer Synode in Jerusalem wieder offiziell in die Kirchengemeinschaft aufgenommen. Er stirbt aber, ehe er seine Rechte (als Presbyter) wahrnehmen kann.

Anhänger der Arius nahe stehenden Auffassung, dass Vater und Sohn einander „wesensähnlich“ (homoios) seien, werden im 4. und 5. Jahrhundert verurteilt, dann wieder vom Kaiser unterstützt. Die Bischofsweihe des Goten Wulfila durch den Arianer Eusebius von Nikomedien führt zur Annahme des christlichen Glaubens in homoiischer Prägung durch ostgermanische Verbände. Als sich aber Chlodwig, der Gründer des Fränkischen Reichs, im Jahr 497 n. Chr. für die katholische Form des Christentums entscheidet, verliert der Arianismus im Westen seine Bedeutung.

(BG)

Jochen Martin, Spätantike und Völkerwanderung, Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 4, R. Oldenbourg Verlag, München 2001 (4. Aufl.) S. 18ff. 129-130.

Friedhelm Winkelmann, s.v. Konzil, in: Johannes Irmscher, Lexikon der Antike, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München 1994 (3. Aufl.) S. 296 und s.v. Arianismus S. 58.

Friedhelm Winkelmann, s.v. Arianismus, in: Johannes Irmscher, Lexikon der Antike, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München 1994 (3. Aufl.) S. 58.


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