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Aldous Huxley "Brave New World"

Zeitpunkt:
1932
Typ: Kunst und Kultur (KK)
Euro Wert: 6.331.667.938.288.401.925.633.818,39
London im 26. Jahrhundert. Embryos werden gezielt gezüchtet und manipuliert, um die Rollen der Menschen in der Gesellschaft bereits vor der Geburt festzulegen und die Personen ideal auf ihren Status zu konditionieren. Die Menschen selber werden durch permanenten Sex, Konsum und die Droge „Soma“ zufrieden- und ruhig gestellt, sodass sie keinerlei Bedürfnis fühlen, die Welt kritisch zu hinterfragen oder gar die Weltordnung anzutasten. Tiefere Gefühle werden ausgelöscht, Kultur und Religion eingeschränkt, sodass die wenigen Kontrolleure die Gesellschaft in einem gezielten Zustand von „Stabilität, Frieden und Freiheit“ halten...


Dies ist nicht der Inhalt eines neuen Hollywooddrehbuchs oder gar einer weiteren Folge von „Matrix“, sondern der Inhalt des Romans „Brave New World“, den der britische Schriftsteller Aldous Huxley (* 26. Juli 1894 in Godalming, Surrey/England); † 22. November 1963 in Los Angeles/USA) 1932 veröffentlichte.

Der Titel stammt aus einem Shakespeare-Drama („The Tempest“), wo es in einem Monolog von Miranda heißt: „Wunder! Was gibt’s für herrliche Geschöpfe hier! Wie schön der Mensch ist. Schöne, neue Welt, die solche Bürger trägt!“
Der Roman wurde noch im Erscheinungsjahr ins Deutsche übersetzt und dort gegenüber der englischen Fassung leicht verändert. Wo im englischen Original die Figuren die Namen bekannter britischer Kapitalisten tragen, wurden in der deutschen Ausgabe entsprechend die Namen deutscher Kapitalisten eingefügt.

„Brave New World“ ist ein so genannter „dystopischer“ Roman, ein Gegenentwurf zur realen Welt. Im Gegensatz zur Utopie, die eine glücklichere, ideale Welt konstruiert, zeigt die Dystopie eine pervertierte Welt: Charakterzüge der eigenen Gesellschaft und Zeit – in „Brave New World“ etwa der zunehmende Kapitalismus – werden ins Extreme gesteigert und verzerrt; durch diese Verzerrung und die Versetzung in eine andere, fiktive Realität waren Dystopien (wie auch Utopien) seit der Antike beliebte Mittel, um die aktuelle Zeit zu kritisieren und deren Beschaffenheit deutlicher sichtbar zu machen. Bekannte Utopien aus früheren Jahrhunderten sind etwa „De Civitate Dei“ von Augustinus (vgl. 397 Augustinus schreibt seine Confessiones) aus dem 5. Jh. unserer Zeitrechnung oder Thomas Morus’ „Utopia“ von 1516.

Dominierten in vergangenen Zeiten eher die Utopien, so scheint das zwanzigste Jahrhundert dem gegenüber von Dystopien geprägt zu sein – neben Aldous Huxley ist an gleicher Stelle auch George Orwell mit seiner Dystopie „1984“, die er 1949 veröffentlichte, zu nennen. Die Horrorwelt, die er für das Jahr 1984 ausmalte, ist eine vom „Großen Bruder“ permanent überwachte Welt. Während des Kalten Krieges wurde sein Werk im Westen als Kritik am Kommunismus und Stalinismus angesehen, wobei Orwell jedoch ebenso scharf den Kapitalismus angreift und ihn als Vorstufe zum in seinem Werk geschilderten totalitären Staat aufzeigt.

Das Werk übte – auch aufgrund seiner Sprache – einen so großen Einfluss aus, dass viele Wendungen in den allgemeinen Sprachgebrauch übergingen, etwa „Big Brother is watching you“, oder „Altsprech“, „Neusprech“, „Zwiedenk“ bzw. „Doppeldenk“.

Das Bedrückende an der Betrachtung der Dystopien des zwanzigsten Jahrhunderts aus der Perspektive des beginnenden 21. ist die Tatsache, dass viele der dort entworfenen Szenarien mittlerweile Realität geworden sind und die breite Öffentlichkeit kaum mehr irritieren (permanente Überwachungskameras, Überwachung von e-mails und Telefonaten auf der einen Seite, Experimente mit Föten bis hin zum Klonen auf der anderen Seite).

Wie ähnlich die heutige Welt der „Brave New World“ von Huxley ist, wurde 1999 ausführlich und unter großem Interesse der Öffentlichkeit in der „Zeit“ diskutiert. Auslöser war die Rede „Regeln für den Menschenpark“ des deutschen Philosophen und Kulturwissenschafters Peter Sloterdijk, die noch im selben Jahr als Buch erschien. Der Vortrag löste insbesondere eine Debatte über die Gentechnologie aus.

(CA)


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