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Türken erobern Konstantinopel

Zeitpunkt:
29.05.1453
Typ: Politik und Staatswesen (PS)
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Die Herrscher der Osmanen hatten bereits im 14. Jahrhundert Gebiete des Byzantinischen Reichs bzw. der daraus hervorgehenden Teilreiche erobern können und expandierten nach Südwesteuropa. In relativer Nähe zu Konstantinopel, der Hauptstadt des Byzantinischen Reichs, errichteten sie ihre Residenzen in Bursa in Kleinasien und in Edirne/Adrianopel im europäischen Teil der heutigen Türkei. Byzanz war noch immer von der Eroberung und Plünderung Konstantinopels durch die Ritter des vierten Kreuzzugs geschwächt und sollte sich davon nicht mehr erholen.

Die Machtentfaltung der Osmanen konnte aber kurzfristig durch den Einfall der Mongolen unter Timur Lenk zu Beginn des 15. Jahrhunderts gestoppt werden. Die Mongolen hatten Teile Kleinasiens verwüstet und konnten auch die osmanische Hauptstadt Bursa erobern. Dies gewährte Konstantinopel eine Atempause. 20 Jahre später belagerte dann Sultan Murad II. (1422-1444, 1446-1451) das schwer einnehmbare Konstantinopel – allerdings erfolglos. Im Frühling 1453 startete Murads Sohn und Nachfolger Sultan Mehmed II. (1444-1481) erneut einen Versuch, die Stadt zu erobern; nach der beinahe acht Wochen dauernden Belagerung gelang der Durchbruch: Am 29. Mai 1453 konnte die osmanische Streitmacht mit einem schweren Geschütz eine Bresche in die Mauer schlagen und die Stadt erstürmen. Der byzantinische Kaiser fand dabei den Tod. Das genuesische Galata, das von der Altstadt Konstantinopel durch das Goldene Horn getrennt war (und heute zur Stadt Istanbul gehört), ergab sich noch am gleichen Tag.

Nach dem Sieg ließ Mehmed II. mit dem Beinahmen „der Eroberer“ die Residenz sofort nach Konstantinopel verlegen. Hier wurden in den nächsten Jahren die Verteidigungsanlagen wieder instand gesetzt. Die Landmauer und Teile der Seemauer wurden repariert und die sogenannte „Porta Aurea“ („Goldenes Tor“), ein Tor in der Landmauer, zum „Schloss der sieben Türme“ (Yedikule) verstärkt; entlang der Dardanellen ließ der Sultan Verteidigungsanlagen ausbauen. In der neuen Hauptstadt wurden auch städtebauliche Maßnahmen getroffen. Außerdem musste die Stadt nach der Versklavung von Teilen der byzantinischen Bevölkerung verstärkt besiedelt werden. Zu den Baumaßnahmen zählen die Anlage des Topkapı Sarayı und die Umgestaltung der Hagia Sophia in eine Moschee. Aber nicht alle christlichen Kirchen wurden umgebaut. Die Apostelkirche beispielsweise überließ der Sultan dem Patriarchen von Konstantinopel bis 1463; dann musste die Kirche einem anderen Bau, dem Fatih-Komplex, weichen.

Konstantinopel war nun als neue Hauptstadt des Osmanischen Reiches kulturelles und handelspolitisches Zentrum im östlichen Mittelmeerraum und Residenz des Sultans.

(BG)

Klaus Kreiser, s.v. Konstantinopel/Istanbul, II. Osmanisches Reich, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München – Zürich 1991, Sp. 1392f.

Klaus Kreiser, Der Osmanische Staat 1300-1922, Oldenbourg Grundriss der Geschichte, Bd. 30, R. Oldenbourg Verlag, München 2001, S. 19-25.

Georg Ostrogorsky, Byzantinische Geschichte: 324-1453, Verlag C.H. Beck, München 1996 (2. Aufl.), S. 464-503.

M. Restle, s.v. Konstantinopel/Istanbul, I. Byzantinisches Reich, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 5, München – Zürich 1991, Sp. 1387-1392.


Abkürzungsverzeichnis


Eroberung Konstantinopels 1453
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