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Zerstörung Jerusalems

Zeitpunkt:
70
Typ: Politik und Staatswesen (PS)
Euro Wert: 7,92

Unruhen in Judäa führten im Jahr 66 n. Chr. zum Aufstand gegen die Herrschaft der Römer, der aber niedergeschlagen werden konnte. Im Zuge dieses Krieges wurde auch Jerusalem mehrere Monate belagert und im Jahr 70 n. Chr. unter der Führung des späteren Kaisers Titus (79-81) eingenommen und zerstört.

Bereits im Jahr 587/86 v. Chr. hatte der babylonischen König Nebukadnezar Jerusalem eingenommen: Die Mauern der Stadt wurden niedergerissen, der Tempel wurde geplündert und niedergebrannt. Die Schätze und Geräte des Tempels sowie die Schätze des Palasts ließ der König nach Babylon bringen (2. Buch der Chronik, AT); dorthin wurden auch Vertreter der Oberschicht deportiert. Erst unter der Herrschaft des Kyros (ab 539 auch über Babylonien) war es den Verschleppten gestattet, wieder in ihr Land zurückzukehren. Dieses Ereignis wird in Büchern des Alten Testaments geschildert, z.B. im Buch Esra. Darüber hinaus kommt es zur Auseinandersetzung mit babylonischem Gedankengut, das Eingang in die Schriften des Alten Testaments findet.

Über die Einnahme Jerusalems durch die Römer und die Zerstörung der Stadt sowie des Tempels berichtet der Autor Josephus Flavius (* 37, gest. ca.100) in seinem Werk „De bello Iudaico“ („Über den jüdischen Krieg“). In seiner Darstellung schildert er nicht nur die Einnahme einzelner Orte und Festungen (z.B. Masada, das sich bis 74 n. Ch. Halten konnte), sondern auch den Triumphzug Kaisers Vespasians (69-79) und seiner Söhne Titus und Domitian in Rom; aufschlussreich ist u.a. die Aufzählung der Stücke aus dem Heiligtum:

„Als Beute nunmehr wurde das übrige haufenweise vorbeigetragen; unter allem zeichnete sich das am meisten aus, was man im Tempel in Jerusalem genommen hatte: ein viele Talente schwerer goldener Tisch und ein ebenfalls aus Gold gefertigter Leuchter, ein seiner Ausführung aber ganz verschieden von der Art, wie sie bei uns gewohnt ist. Mitten aus dem Sockel ragte nämlich ein Schaft empor, der nach Art des Dreizacks in dünne, nebeneinanderstehende Äste verlief; jeder dieser Äste trug an seiner Spitze eine aus Erz getriebene Lampe. Es waren deren sieben, um die von den Juden der Siebenzahl entgegengebrachte Hochschätzung zu veranschaulichen. Als Abschluß der Beutestücke wurde das Gesetz ( = die Torarolle) der Juden vorbei-getragen.“ (Josephus Flavius).

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Hartmann Schedel (1440-1514), Die Zerstörung Jerusalems Bild-copyright

Die erfolgreiche Niederschlagung des jüdischen Aufstands manifestiert sich auch im Triumphbogen des Titus (Kaiser von 79-81) am Forum Romanum in Rom. Der Bogen ist mit Reliefs versehen, die den Siegeszug der Römer veranschaulichen. Von besonderer Bedeutung ist die Darstellung auf der Südseite im Durchgang des Bogens. Die Szene zeigt den Transport von Beutestücken; deutlich erkennbar sind der siebenarmige Leuchter und der Schaubrottisch mit gekreuzten Posaunen in der Halterung. Das Relief auf der Nordseite im Bogeninneren ist der Darstellung des siegreichen Feldherrn gewidmet. Titus steht im Wagen des Viergespanns und wird bekränzt von der Siegesgöttin Victoria; das Gespann führt die Göttin Roma an, begleitet vom Genius (eine Art „Schutzgeist“) des Senats und vom „Genius Populi Romani“ („Genius des römischen Volkes“) sowie von Soldaten und Beamten.

Weitere Zeugnisse über die erfolgreiche Niederschlagung des jüdischen Aufstandes durch die Römer geben auch andere Quellengattungen. Eine Münzprägung des Kaisers Vespasian, der gemeinsam mit seinem Sohn Titus den Krieg in Judäa führte, zeigt eine gefesselte Frau vor einer Palme; unter ihr befindet sich die Beischrift „Iudaea“ – die Frau personifiziert die Provinz Judäa. Eine andere Prägung Vespasians veranschaulicht den römischen Sieg auf eine ähnliche Weise: dargestellt ist wiederum eine sitzende Frau, diesmal in trauernder Haltung; in ihrem Rücken befindet sich eine Palme, daneben ein gefesselter Mann; die Beischrift lautet: „Judaea Capta“ („Judäa eingenommen“).

Aus den erbeuteten Gütern sollen in Rom unter der Herrschaft der Flavier – dieser Dynastie gehören die Kaiser Vespasian und seine Söhne Titus und Domitian an – nicht nur repräsentative Darstellungen und Bauwerke als Zeichen des Sieges finanziert worden sein, sondern u.a. auch das Amphitheatrum Flavium („Flavisches Amphitheater“ oder sog. „Kolosseum“).

(BG)

Flavius Josephus, De bello Judaico – Der jüdische Krieg, Zweisprachige Ausgabe der sieben Bücher, Bd. 2, (Hg.) Otto Michel – Otto Bauernfeind, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1969, Buch 7, 148-150.

2. Buch der Chronik 36,5-23. (Die Bibel in der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Vollständige Schulausgabe, (Hg.) Interdiözesaner Katechetischer Fond, Verlag Österreichisches Katholisches Bibelwerk, Klosterneuburg 1986.)

Buch Esra, 1-6. (Die Bibel in der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Vollständige Schulausgabe, (Hg.) Interdiözesaner Katechetischer Fond, Verlag Österreichisches Katholisches Bibelwerk, Klosterneuburg 1986.)

Maria R.-Alföldi, Bild und Bildersprache der römischen Kaiser. Beispiele und Analysen, Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 81, Verlag Philipp von Zabern, Mainz a. Rhein 1999, S. 91-96.

K. Belke, s.v. Jerusalem, in: Der Neue Pauly, Bd. 5, München – Stuttgart 1998, Sp. 901-909.

Sabine Panzram, Der Jerusalemer Tempel und das Rom der Flavier, in: Johannes Hahn (Hg.), Zerstörungen des Jerusalemer Tempels. Geschehen – Wahrnehmung – Bewältigung, Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament, Bd. 147, Mohr Siebeck, Tübingen 2002, S. 166-182.



Abkürzungsverzeichnis


Klagemauer
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Zitat:
Freunde, ich habe einen Tag verloren. (Kaiser Titus)
Steinpate:
DI Gerhard Wibmer, Wörgl